Auch bekannt als: Tasse mit Henkel · Cup with Handle · Cup-and-Handle-Basis
Die Cup-and-Handle-Formation (Tasse mit Henkel) ist eine bullische Fortsetzungsformation aus einer abgerundeten, U-förmigen Basis (der Tasse), gefolgt von einem kleineren, flachen Rücksetzer nahe der Oberkante (dem Henkel). Sie entsteht nach einem Aufwärtstrend, und ein klarer Schlusskurs über dem Rand der Tasse – dem Widerstand am oberen Ende beider Seiten – signalisiert, dass der Anstieg weitergehen könnte.
Die Formation spiegelt einen allmählichen Wechsel der Kontrolle wider: Die Verkäufer drücken den Kurs nach unten, das Interesse kehrt langsam zurück, und ein letztes Ausschütteln im Henkel vertreibt schwache Hände vor dem Ausbruch.
So sieht die Formation aus
Nach einer Rallye bildet der Kurs ein Hoch, den linken Rand, und beginnt einen allmählichen Rückgang. Statt eines scharfen V ist der Boden abgerundet – ein Zeichen, dass der Verkaufsdruck langsam versiegt. Dann steigt der Kurs wieder ungefähr auf das ursprüngliche Hoch und bildet den rechten Rand. Statt sofort auszubrechen, setzt er etwas zurück und bildet den Henkel, oft als kleine Flagge oder leichtes Abdriften. Ein Schlusskurs über dem Rand vollendet die Formation.
Die abgerundete Form unterscheidet sie von einem Doppelboden oder einer V-förmigen Erholung.
So erkennst du sie
- Vorheriger Aufwärtstrend. Die Tasse ist eine Pause innerhalb eines Anstiegs.
- Linker Rand. Ein Hochpunkt, der zum Widerstand der Formation wird.
- Abgerundete Tasse. Ein allmählicher, U-förmiger Rückgang mit Erholung, kein scharfes V.
- Angemessene Tiefe. Die Tasse korrigiert einen moderaten Teil der vorherigen Rallye; sehr tiefe Tassen sind weniger zuverlässig.
- Rechter Rand. Der Kurs kehrt ungefähr auf das Niveau des linken Randes zurück.
- Henkel. Ein kurzer, flacher Rücksetzer im oberen Teil der Tasse bei geringerem Volumen.
- Ausbruch. Ein Schlusskurs über dem Rand, idealerweise bei steigendem Volumen.
So tradest du sie
Einstieg. Der übliche Auslöser ist ein Schlusskurs über dem Rand (oder über der Oberkante des Henkels, falls dieser abfällt). Ein Ausbruch, der schnell wieder unter den Rand fällt, ist ein Warnsignal.
Stop. Ein typischer Stop liegt unter dem Tief des Henkels. So bleibt das Risiko eng; eine weitere Alternative liegt unter der Mitte der Tasse.
Kursziel (Measured Move). Miss die Tiefe der Tasse vom Rand bis zu ihrem tiefsten Punkt und addiere sie zum Ausbruchsniveau.
Rechenbeispiel: Eine Aktie bildet eine Tasse mit dem Rand bei 62 € und dem Boden bei 40 € – eine Tiefe von 22 €. Der Henkel setzt bis 56 € zurück. Nach einem Schlusskurs über 62 € liegt das Kursziel bei 62 € + 22 € = 84 €. Mit einem Stop unter dem Henkel bei 55,50 € und einem Einstieg zu 62,50 € riskierst du 7 € für mögliche 21,50 € – etwa 3:1. Plane deinen eigenen Trade mit dem CRV-Rechner und dem Positionsgrößen-Rechner. Mit dem Fibonacci-Rechner prüfst du, wie tief die Tasse den vorherigen Anstieg korrigiert hat.
Bestätigung: Volumen, RSI, Sentiment
- Volumen. Das Volumen nimmt meist zum Boden der Tasse hin ab, steigt auf der rechten Seite, lässt im Henkel nach und zieht beim Ausbruch an.
- RSI. Eine stetige RSI-Erholung entlang der rechten Seite der Tasse, die sich im Henkel hält, stützt das bullische Szenario. Ein Ausbruch bei schwächer werdendem RSI überzeugt weniger.
- Sentiment. Tassen bilden sich oft in Phasen nachlassenden Interesses; neue Aufmerksamkeit nahe dem Rand kann den Ausbruch befeuern. Ist die Begeisterung am Rand schon extrem, kann der Henkel zu einem tieferen Rücksetzer werden.
Häufige Fehler
- V-förmige Tassen. Ein scharfer Absturz mit Erholung ist nicht dieselbe Formation und meist weniger stabil.
- Tiefe Henkel. Ein Henkel, der in die untere Hälfte der Tasse fällt, untergräbt das Setup.
- Kein vorheriger Trend. Eine Tasse mitten in einem langen Abwärtstrend ist eine Erholung, keine Fortsetzung.
- Am rechten Rand kaufen. Wer vor Henkel und Ausbruch einsteigt, ist dem Rücksetzer des Henkels ausgesetzt.
- Die Zeit ignorieren. Im Tageschart haben Tassen, die sich in nur wenigen Tagen bilden, selten viel Gewicht.
Vorsicht bei Statistiken
Cup and Handle ist eine bekannte Basisformation, funktioniert aber nicht jedes Mal, und ihr Verhalten variiert je nach Markt, Zeiteinheit und Umfeld. Ihre subjektiven Elemente – etwa wie rund die Tasse ist oder wie tief der Henkel sein darf – machen genaue Erfolgszahlen unzuverlässig. Nutze sie, um eine klare Ausbruchsmarke und Invalidierung festzulegen. Vergleiche sie mit der bullischen Flagge, dem aufsteigenden Dreieck und der inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation.
Automatisch erkennen mit SnapPulse
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Bildungsinhalt – keine Anlageberatung.
Aktualisiert