Ein gleitender Durchschnitt ist das einfachste Trendwerkzeug auf jedem Chart. Indem er die jüngsten Schlusskurse mittelt, filtert er das Rauschen von Kerze zu Kerze heraus und zeigt, ob der Kurs insgesamt steigt, fällt oder seitwärts läuft. Sofern nicht anders angegeben, ist mit „gleitendem Durchschnitt“ meist der einfache gleitende Durchschnitt (SMA) gemeint; die schneller reagierende Variante ist die EMA.
So wird er berechnet
SMA = (Summe der letzten N Schlusskurse) ÷ N
Mit jeder neuen Periode fällt der älteste Schlusskurs heraus und der neueste kommt hinzu – die Linie „gleitet“.
Gängige Einstellungen:
- 20 Perioden: kurzfristiger Trend; zugleich die Mittellinie der Bollinger-Bänder.
- 50 Perioden: mittelfristiger Trend.
- 200 Perioden: langfristiger Trend, auf Tagescharts besonders beachtet.
Typische Anwendungen: Die Steigung zeigt die Richtung des Trends, der Kurs über oder unter dem Durchschnitt die Tendenz, und steigende Durchschnitte wirken oft als dynamische Unterstützung (fallende als Widerstand). Kreuzungen eines schnellen und eines langsamen Durchschnitts sind ein einfaches Trendfolgesignal.
Beispiel
Ein SMA 5 über die Schlusskurse 10, 11, 12, 13 und 14:
- SMA = (10 + 11 + 12 + 13 + 14) ÷ 5 = 12
Der nächste Schlusskurs ist 15. Die 10 fällt heraus:
- SMA = (11 + 12 + 13 + 14 + 15) ÷ 5 = 13
Beachte: Der Kurs steht bei 15, der Durchschnitt bei 13 – der SMA läuft dem Kurs konstruktionsbedingt hinterher. Bei einer längeren Einstellung wie 200 Perioden ist diese Verzögerung viel größer.
Typische Fehler
- Von Durchschnitten Prognosen erwarten. Sie beschreiben, was bereits geschehen ist. Kreuzungen kommen meist erst, wenn ein guter Teil der Bewegung vorbei ist.
- Sie in Seitwärtsphasen nutzen. In Seitwärtsmärkten kreuzt der Kurs einen flachen Durchschnitt ständig und erzeugt Fehlsignale.
- Die Linie als exaktes Level behandeln. Der Kurs schießt oft über einen gleitenden Durchschnitt hinaus, bevor er reagiert; betrachte ihn als Zone.
- Die Periode endlos optimieren. Die „perfekte“ Länge an vergangene Daten anzupassen, hält selten stand; Standardeinstellungen lassen sich leichter vergleichen.
Der MACD besteht aus zwei EMAs und macht aus ihrem Abstand einen Momentum-Wert. Wie Durchschnitte mit anderen Indikatoren zusammenspielen, liest du unter RSI, MACD, ATR und EMA erklärt.
Bildungsinhalt – keine Anlageberatung.
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